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Unsere Sinne bestimmen, wie wir unsere Welt wahrnehmen. Eigentlich sind wir Menschen da gar nicht schlecht ausgestattet: Wir sehen, hören, schmecken, fühlen und riechen eine ganze Menge. Manchen Tieren ringt das nur ein müdes Lächeln ab – denn viele von ihnen haben echte Supersinne, die unsere Vorstellungskraft an ihre Grenzen bringt!

„Hallo Echo“ – sagt die Fledermaus

Die Fledermaus findet es klasse, wenn es so richtig dunkel ist. Dann haben Motten nichts zu lachen. Denn obwohl es stockfinster ist, navigieren die kleinen Flugsäuger wendig und sicher auf ihr Ziel zu. Mund auf und HAPPS. Weg ist die Motte. Wie hat die Fledermaus das gemacht? Ihre Augen sind doch klitzeklein. Aber die Ohren! Genau, die sind Teil der „Geheimwaffe“. Fledermäuse stoßen sehr hohe Töne aus, die nennt man Ultraschall. Unsere Ohren können das nicht hören. Die Flugmausohren dagegen schon. Vor allem können sie hören, wenn die Schallwellen gegen ein Hindernis stoßen und von diesem zurück geworfen werden. Ihre Echoortung ist sogar so gut, dass sie wissen, aus welchem Material das Hindernis vor ihnen ist, also Baum oder Wand. So entsteht im Fledermauskopf ein Bild der Umgebung – inklusive schmackhafter Motte. Sie „sehen“ also mit den Ohren.

„Wer pinkelt denn da?“ – fragt der Bussard

Bussarde haben Mäuse zum Fressen gerne. Allerdings ist es gar nicht so einfach, diese zu entdecken, wenn man in großer Höhe über einer Wiese seine Kreise zieht. Also, wir hätten da sicher ein Problem. Der Bussard allerdings hat einen kleinen Trick drauf – er kann Mäuseurin sehen. Das reflektiert ultraviolettes Licht. Das menschliche Auge kann dies nicht wahrnehmen, der Bussard aber schon. Und nachdem Mäuse quasi permanent ihren Weg mit Urin markieren, sieht der Greifvogel, welche Wege die Maus im Gras eingeschlagen hat. Zusammen mit dem eingebauten Fernglas in seinem Auge – beim ihm stehen die Sinneszellen im Augenzentrum sehr dicht, sodass er auch Dinge in der Ferne scharf sieht – ist es für ihn ein leichtes, den Leckerbissen zu entdecken. Ihn erfolgreich zu fangen, ist dann eine andere Geschichte.

„Da geht’s lang“ – sagt der Vogel

Die Küstenseeschwalbe hat’s voll drauf. Sie ist ein Weltenbummler, der regelmäßig einmal um die Welt fliegt – von der Arktis zur Antarktis und zurück. Stolze 30.000 Kilometer bringt sie so bei einem „Ausflug“ auf ihren Tacho – und das ganz ohne Navi oder Karte. Naja, ganz ohne Navi stimmt nicht – Vögel haben einen eingebauten Kompass. Dafür nützen sie die Sonne, die Sterne – und ihren Magnetsinn. Magnetsinn? Ja, wir können uns das schwer vorstellen, aber zwischen Nord- und Südpol gibt es für uns unsichtbare Magnetfeldlinien, an denen sich die Vögel orientieren können. Wie genau die Vögel das machen, darüber brüten die Forscher übrigens immer noch.

„Das elektrisiert mich“ – sagt der Hai

Langsam gleitet der Hai über den sandigen Boden des Riffs. Auf einmal stößt er auf einen kleinen Sandhügel zu und schnappt sich einen darin versteckten Fisch. Wie hat der Hai das gemacht? Das Beutetier war weder zu sehen, zu hören noch zu riechen. Zum Einsatz kamen hier die sogenannten „Lorenzinischen Ampullen“, kurz der Elektrosinn des Haies. Diese Elektrorezeptoren sitzen als kleine Grübchen sichtbar am Kopf des Knorpelfisches. Damit kann er auf kurze Distanz elektrische Impulse erfühlen, die etwa von den Muskeln des Leckerbissens ausgehen (egal, ob der will oder nicht). Die Ampullen können übrigens noch mehr, der Hai nutzt sie auch zur Orientierung am Magnetfeld der Erde und um die Temperatur des Wassers einzuschätzen. Lange dachte man, Haie und Rochen haben den Elektrosinn exklusiv für sich gepachtet. Aber nein, auch ein paar Säugetiere nutzen ihn, zum Beispiel Delfine und … Schnabeltiere!

„Warm, wärmer, happs“ – züngelt die Schlange

Schlangen sind sehr talentierte Räuber. Das liegt nicht nur an der großen Geduld, mit der sie darauf warten, dass etwas Schmackhaftes in Reichweite kommt. Einige der Kriechtiere können Wärmestrahlung sehen – also das, was man fühlt, wenn man seine Hand kurz vor eine warme Tasse hält. Diese Strahlung nennen Fachleute Infrarotstrahlung. Unser Name dafür ist der Schlange aber natürlich egal. Für sie zählt nur, dass sie so zum Beispiel Mäuse leichter entdecken kann – obwohl sich diese mucksmäuschenstill halten und es stockdunkel ist. Aber die Wärme ihrer kleinen Körper verrät die Nager. Würde man einen Biologen fragen, womit die Schlange das macht, würde dieser auf das sogenannte Grubenorgan deuten – das sind die Vertiefungen vorne am Maul der Schlange. Wir haben übrigens den gleichen Messfühler, allerdings ist er bei uns stark umgebaut: Wir nehmen damit nicht Wärmestrahlung, sondern scharfes Essen wahr (etwa Wasabi oder Senföl).
Bildquelle:
©iStockphoto-Dennis Donohue

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Was wäre ein Leben ohne Tiere? Vollkommen sinnlos! Spätestens seit ich im zarten Alter von fünf Jahren die Nasenbewegungen von Zwergkaninchen Nero imitierte, war klar, hier stoßen verwandte Seelen aufeinander! Seitdem gab es reichlich Erfahrungen mit Meersau (brannte mit dem Kaninchen durch), Wellensittch, Garnele, Krähe, Katz, Hund und sogar Bilch. Zeitgleich half mir ein Biologie-Studium die großen und kleinen Kunststücke der Natur zu verstehen. Mittlerweile arbeitete ich als Wissenschaftsjournalistin in München, Hündin Lina auch beim Frühstücken immer an der Seite.
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