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Als meine Freundin Miriam mir vor einiger Zeit mitteile, dass sie im Bremerhavener Tierheim ehrenamtlich mit so genannten Listenhunden Gassi gehen würde, war ich nicht verwundert. Schon immer hatte sie eine Vorliebe für diese besonderen Hunde. Und ich war auch nicht verwundert als sie sich in American Staffordshire Terrier Tony verliebte.

So kam es, wie es kommen musste: Sie überlegte hin und her, ob sie das Tier nicht zu sich nehmen könnte. Da Toni aber aufgrund seiner Rasse zu den Kampfhunden beziehungsweise Listenhunden zählt, ist das gar nicht so einfach.

Aber tatsächlich, nachdem alles Organisatorische durchdacht war, der Hund auf seine Katzen- und Kaninchenfreundlichkeit getestet war, entschied sich Miriam dafür, dem American Staffordshire Terrier Tony ein neues zu Hause zu geben. Und wir können nur sagen:

Lieber Tony, du hast Glück gehabt und dir wohl das beste Frauchen gesucht, dass du bekommen konntest! Denn dein Leben war davor alles andere als einfach. Gequält, beschlagnahmt, Endstation Tierheim. Und realistisch betrachtet heißt dieses Urteil für die meisten Kampfhunde meist lebenslänglich.

Ich muss ehrlich sagen: Ich bin nicht unbedingt ein großer Fan von Kampfhunden. Spätestens seit unsere Hündin Nessi vor vielen Jahren von einem Kampfhund gebissen wurde, bin ich mir bewusst, wie gefährlich diese Hunderassen sein können. Und noch immer steigt in mir die Wut auf, wenn ich an die riesigen Löcher im Bauch unseres Hundes denke, die das Kampfhund-Gebiss hinterlassen hat. Wahrlich kein schöner Anblick. Aber wenn man ehrlich ist, bezieht sich diese Wut weniger auf den Hund als auf dessen asozialen Besitzer.

Für mich weiß ich, dass ein Hund, der Asyl in Miriams Herzen findet, kein schlechter Hund sein kann. Und so lernte ich Tony vorbehaltslos kennen. Und wieder einmal hat sie mir gezeigt, dass Kampfhunde eben auch nur Hunde sind. Und weil ich weiß, wie wichtig Miriam das Thema ist, möchte ich heute einige Informationen über Kampfhunde zusammentragen und natürlich von unserer Begegnung mit Tony berichten.

Vorweg: Was ist ein Listenhund?

Listenhunde sind Hunde, die auf der so genannten Rasseliste stehen. Hierbei handelt es sich um eine Liste von Hunderassen, die rassebedingt als gefährlich angesehen werden oder deren Gefährlichkeit vermutet wird. Typischerweise handelt es sich um Kampfhunde, die auf dieser Liste zu finden sind. Kampfhunde sind Hunderassen, die für Tierkämpfe gezüchtet, ausgebildet und eingesetzt wurden. Für Hunderassen, die auf der Rasseliste erfasst sind, gelten verschiedene Einschränkungen, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden:

„Neben einem Verbot der Haltung gewisser Rassen sind rassespezifische Einschränkungen bei der Haltung möglich. Auf den Halter bezogen kann dies beispielsweise Volljährigkeit, Vorlage eines Führungszeugnisses oder die Pflicht zum Ablegen einer Sachkundeprüfung („Hundeführerschein“) bedeuten. Bei der Haltung können weitere Sonderregelungen wie Leinenzwang, Maulkorbpflicht, Chippflicht, Versicherungspflicht, Genehmigungspflicht, Gebot der Unfruchtbarmachung, Pflicht zur sicheren Umzäunung des Besitzes, auf dem der Hund gehalten wird, oder Ablegen eines Wesenstests für Hunde vorgeschrieben sein.“

Weitere Informationen zur Rasseliste.

Listenhunde in Bremen

Da Miriam und Tony in Bremerhaven wohnen, hier einige Worte zur Haltung der Listenhunde im Bundesland Bremen. Die Regelungen finden sich im Hundehaltergesetz (HundeHG).

In §1 wird definiert, welche Hunde als gefährlich gelten:

„(1) … Hunde,
1.    bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass sie Menschen oder Tiere beißen, sowie Hunde, die bereits Menschen oder Tiere gefährdend angesprungen oder gebissen haben,
2.    die außerhalb des Jagd- oder Hütebetriebes zum Hetzen oder Reißen von Wild oder Vieh neigen oder
3.    bei denen von einer durch Zucht, Ausbildung oder Abrichten herausgebildeten, über das natürliche Maß hinausgehenden Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder einer anderen, in ihrer Wirkung vergleichbaren Menschen oder Tiere gefährdenden Eigenschaft auszugehen ist.
(2) Hunde gelten nicht als gefährlich, wenn sie zur Verteidigung ihrer Aufsichtsperson oder zu ihrer eigenen Verteidigung gebissen haben.
(3) Hunde der Rassen Pit-Bull-Terrier, Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden sind gefährliche Hunde nach Absatz 1 Nr. 3.“

Als American Staffordshire Terrier ist Tony also laut Gesetz eindeutig ein Listenhund.

Bremer Auflagen für Listenhunde:

  • Die in §1 aufgeführten (als gefährlich eingestuften) Hunde dürfen nicht gezüchtet oder sonst vermehrt werden.
  • Der Handel mit diesen Hunden ist verboten.
  • Auch Kreuzungen mit den vier Rassen Pit-Bull-Terrier, Bullterrier, American Staffordshire Terrier und Staffordshire Bullterrier gelten als Listenhunde. Anhaltspunkte für Kreuzungen weisen insbesondere solche Hunde auf, die nach ihrem äußeren Erscheinungsbild von zumindest einer der genannten vier Rassen abstammen könnten und mit ihnen insbesondere nach Körpergröße, Gewicht und Beißkraft vergleichbar sind.
  • Die speziellen Kampfhundrassen dürfen nicht mit dem Ziel einer Aggressivitäts-Steigerung oder Gefährlichkeit gegenüber Menschen ausgebildet werden.
  • Listenhunde müssen einen Mikrochip implantiert bekommen, um markiert und zugeordnet zu werden.
  • Für die definierten Kampfhundrassen muss der Halter eine Hunde-Haftpflichtversicherung abschließen.
  • Listenhunde müssen außerhalb der Wohnung beziehungsweise des eigenen Grundstückes an der Leine geführt werden.
  • Zusätzlich müssen die in § 1 Abs. 3 aufgeführten Kampfhund-Rassen einen Maulkorb tragen.
  • Ausnahmen zur Maulkorbpflicht können bei der Ortspolizeibehörde beantragt werden. Um nachzuweisen, dass der Hund nicht gefährlich ist, muss eine Begleithundeprüfung und/oder ein Wesenstest erbracht werden.
  • Prinzipiell dürfen aber die definierten Kampfhundrassen im Bundesland Bremen gar nicht gehalten werden. So steht in §3 Abs. 1 HundeHG: „Das Halten von Hunden nach § 1 Abs. 3 ist verboten.“
  • Ausnahme sind örtliche Tierheime, die die Hunde aufnehmen und halten dürfen.
  • Es gibt aber auch als Privatperson, die Möglichkeit einen Kampfhund zu halten, wenn es sich um ein Fundtier oder ein Tierheim-Tier handelt. Hierfür benötigt man allerdings eine Genehmigung und muss ein Führungszeugnis vorlegen.

Tony, der Kampfkuschler

Nachdem es sich bei Tony um einen Hund aus dem Tierheim handelt, er ein freundliches Wesen hat und bisher keine Verhaltensauffälligkeiten gezeigt hat und auch Miriam ein sauberes Führungszeugnis vorlegen konnte, bekam sie die Haltegenehmigung für den American Staffordshire Terrier. Und ich hatte schon so viel über ihn gehört, dass ich echt neugierig war. Am vergangenen Wochenende waren wir in Bremerhaven und durften Tony endlich kennenlernen.

Sebastian war nicht ganz so erfreut, großen Hunden gegenüber ist er etwas skeptisch. Das Prädikat „Kampfhund“ machte es für ihn nicht besser. Dennoch ließ er sich auf die Begegnung ein. Als wir klingelten, rechneten wir mit Hundegebell und mit einem Hund, der einen an der Tür erwartet. Nichts. Lediglich Miriam begrüßte uns freudestrahlend. Auf die Frage, wo denn der Hund sei, grinste sie und rief ihn. Erst dann kam er wedelnd auf uns zu, um uns zu beschnuppern und sich streicheln zu lassen. Tja, da kann sich manch anderer Hund beziehungsweise Hundebesitzer eine Scheibe von abschneiden.

Was im Umgang zwischen Miriam und Tony sofort auffällt: Der Hund hat einen unglaublichen Bezug zu seinem Frauchen. Er schaut sehr genau, was sie tut und was sie von ihm will. Ich gestehe, ich war ein bisschen beeindruckt. Man bedenke, dass die beiden erst seit einigen Wochen miteinander leben. Aber auch klar ist, dass diese Erziehung harte Arbeit ist. Unterstützung bekommt Miriam von einer Hundetrainerin. Wenn sie erzählt, merkt man, dass sie sich der Verantwortung, die solch ein Kampfhund mit sich bringt, sehr wohl bewusst ist. Und deswegen, vertraue ich ihrem Hund. Und Sebastian? Sebastian hab ich noch nie so entspannt in der Gegenwart eines großen Hundes gesehen. Streicheln, kraulen, Leckerli geben – kein Problem.

Bildergalerie: American Staffordshire Terrier Tony


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Ich bin Nicole. Bei revvet.de schreibe ich über unsere Mitbewohner auf vier Pfoten: Die beiden Katzen Shiva & Mogli und Zwergkaninchen Frodo. Was auch immer mir im Zusammenleben mit unseren Tieren interessant erscheint, findet hier seinen Platz. Kontakt über G+
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