TEILEN

Der Landestierschutzverband Baden-Württemberg e.V. sammelt Spenden für eine landesweite Kastrationsaktion von freilebenden Katzen. Diese führen häufig ein Schattendasein – sind krank, verletzt oder unterernährt. Und sie vermehren sich rasend schnell weiter. Um das Katzenelend in den Griff zu bekommen, hilft nur die Kastration der Tiere. In einem kurzen Interview erklärt uns der stellvertretende Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg e.V. Stefan Hitzler, warum die Aktion so wichtig ist.

Herr Hitzler, warum ist es so wichtig, dass die freilebenden Katzen kastriert werden?

Freilebende Katzen vermehren sich sehr schnell, wenn sie nicht kastriert werden. Seit 2003 beobachten wir zudem, dass sich die Anzahl der Würfe pro Jahr erhöht hat. Während es früher zwei Würfe waren, sind es jetzt drei.

Warum ist der Katzennachwuchs so ein großes Problem?

Die Populationsrate der Katzen ist höher als die Versorgungrate. Die Tiere vermehren sich, ohne dass sie eine gesunde und vernünftige Nahrungsgrundlage haben. Sie suchen die Nähe des Menschen und ernähren sich von unseren Abfällen – das ist aber nicht artgerecht. Dadurch zeigen die Tiere Mangelerscheinungen und es verbreiten sich Katzenpopulationskrankheiten, zum Beispiel Katzenschnupfen. Katzenwelpen können von ihren Müttern nicht richtig versorgt werden. So leiden sie von Beginn an ebenfalls an Mangelerscheinungen und werden krank. Durch die Nähe zum Menschen werden die Mütter nicht selten überfahren und die Jungen müssen sich allein durchschlagen. Aus diesen Gründen ist es sehr wichtig, die Population der Tiere einzudämmen.

 

Katzenjunge mit Katzenschnupfen

Wie verhalten sich freilebende Katzen Menschen gegenüber?

Die Katzen suchen zwar die Nähe des Menschen zur Nahrungsbeschaffung, sind aber verwildert. Eine freilebende Katze lässt sich im Leben nicht anfassen. Das gilt auch für die Jungen – die haben Todesangst und gehen regelrecht die Wände hoch, wenn man ihnen zu nahekommt.

Warum werden die Katzen im November und Dezember kastriert?

Die Wildlinge sind nun soweit, sich zu paaren. Deswegen will man jetzt kastrieren, um neue Katzenwelpen im Frühjahr zu verhindern. Die nächste Kastrationsaktion macht dann wieder im Mai und Juni Sinn.

Welchen Einfluss haben unkastrierte Freigänger bei der Vermehrung der freilebenden Katzen?

Unkastrierte Freigänger tragen zu dem Problem bei, denn ein Kater kann sehr viele Kätzinnen decken und er wird es tun. Freigänger sollten daher auf jeden Fall kastriert werden. Wir fordern schon sehr lange ein Kastrationsgebot der Gemeinden. Bisher konnte das aber leider nicht durchgesetzt werden.

Wie läuft eine Kastrationsaktion ab?

Üblicherweise richten die Tierschutzvereine eine Futterstelle ein. Im Vorfeld werden die Anwohner benachrichtigt, dass es bei ihnen freilebende Katzen gibt und es wird geklärt, ob man sie dort anfüttern darf. Dann werden Fotos gemacht, damit man sieht, wie viele Katzen zu der Futterstelle kommen. So zieht man die Katzen über mehrere Wochen ran. Dann stellt man Fallen auf und stellt das Futter für die Katzen hinein. So sollen sich die Tiere an die Fallen gewöhnen. Schließlich verabredet man einen Termin mit dem Tierarzt, der die Kastrationen vornimmt. Die Fallen werden scharfgemacht, man fängt die Tiere ein und bringt sie zum Arzt. Dieser Ablauf funktioniert relativ gut, wenn man weiß, wie man es machen muss.

Und dann werden die Katzen operiert.

Genau – sowohl Kater als auch Kätzinnen. Bei den Katern ist es nur ein kleiner Eingriff. Sie sind nach acht Stunden wieder zurück an ihrem gewohnten Platz. Bei Kätzinnen ist die Kastration eine größere OP, deswegen werden sie gerne zwei Tage zur Beobachtung dabehalten, damit sich nichts entzündet. Die Nähte werden bei beiden Geschlechtern mit selbstauflösenden Fäden genäht. Denn ein zweites Mal werden die Tiere sicher nicht in eine Falle gehen.

Was passiert nach der Kastration?

Die Katzen werden wieder an die Futterstellen gebracht, an denen sie eingefangen wurden. Die Stellen werden nicht sofort aufgelöst, sondern weiterhin überwacht. Es wird geschaut, ob weitere Katzen kommen. Meistens muss dann noch mal nachgefangen werden. Die Tiere sind schlau – wenn die Falle das vierte Mal zugeschnappt ist, gehen viele erst mal nicht mehr hinein. Es wird auch geschaut, wie die Tiere wiederaufgenommen werden und ob es Streitereien gibt, denn nach der OP riechen die Katzen anders.

Warum werden die Katzen wieder an die Futterstellen gebracht?

Man würde den Katzen nichts Gutes tun, wenn man sie in ein Tierheim einsperren würde. Deswegen versuchen wir auch ehemals kranke freilebende Tiere wieder zurückzubringen. Wir möchten gesunde Tiere haben, die eine reale Chance auf ein gesundes Leben haben.

„Wir möchten gesunde Tiere haben, die eine reale Chance auf ein gesundes Leben haben.“
Stefan Hitzler (Landestierschutzverband Baden-Württemberg e.V. )

Ihr wollt die Aktion unterstützen?

Dann könnt ihr eure Spende unter dem Stichwort „Kastration freilebender Katzen“ auf das folgende Konto überweisen:

Landestierschutzverbandes BW e.V.
Sparkasse Freiburg
IBAN: DE36680501010002391999
BIC: FRSPDE66XXX

Das gespendete Geld wird ausschließlich für die Kastration freilebender Katzen verwendet und kommt den aktiven Vereinen des Landesverbandes zu diesem Zweck zugute. Dies wird sichergestellt, indem die Rechnungen nach der Kastration eingereicht und im Nachhinein erstattet werden.

tierheim-katze

Bildquellen:
Header: ©iStockphoto/RoniMeshulamAbramovitz
Katzenjunge mit Katzenschnupfen: Landestierschutzverband Baden-Württemberg e.V.
Tierheimkatze: ©iStockphoto/Davyria

TEILEN
Vorheriger ArtikelDie Katzenzunge – Zukunft für unsere Haarpflege?
Nächster ArtikelFünf weihnachtliche Gefahrenquellen für Haustiere
Ich bin Nicole. Bei revvet.de schreibe ich über unsere Mitbewohner auf vier Pfoten: Die beiden Katzen Shiva & Mogli und Zwergkaninchen Frodo. Was auch immer mir im Zusammenleben mit unseren Tieren interessant erscheint, findet hier seinen Platz. Kontakt über G+
KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT