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Morgens haben wir eine klare Aufgabenverteilung: Sebastian füttert die Katzen, ich kümmere mich um die Reinigung der Katzenklos. Das war schon immer so. Seit einigen Wochen gilt diese Aufteilung nicht mehr: Wir bekommen ein Baby und ich habe striktes „Katzenklo-Verbot“. Wenn man schwanger ist, muss man bekanntlich einige Dinge beachten. Dazu gehört zum Beispiel, dass man kein rohes Fleisch essen oder einen Bogen um das Katzenklo machen sollte. Der Grund: der allseits gefürchtete Erreger Toxoplasma gondii, der die Infektionskrankheit Toxoplasmose auslöst und dem ungeborenen Baby gefährlich werden kann.

Nun ist es so: Schwangere neigen dazu, sich Sorgen zu machen. Wenn dann noch Stimmen laut werden, die raten, die Katze für die Zeit der Schwangerschaft möglichst schnell auszuquartieren oder gar abzugeben, ist die werdende Mutter tendenziell beunruhigt. Deswegen habe ich mich entschieden, die Punkte zusammenzufassen, die man als Schwangere über Toxoplasmose bei Katzen wissen sollte. Vorweg sei gesagt: Die Katze muss nicht aus dem Haushalt verbannt werden!

Toxoplasmose bei Katzen: Der Erreger

Toxoplasmose-Symptome bei der Katze

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch den Erreger Toxoplasma gondii ausgelöst wird. Infiziert sich eine Katze mit dem Erreger, bekommt der Halter davon in der Regel nichts mit, denn die Infektion verläuft bei gesunden Tieren weitgehend ohne Symptome. Eventuell kommt es zu leichten Durchfällen, wenn der Erreger sich im Darm der Katze vermehrt. Nur bei Tieren mit einem geschwächten Immunsystem zeigen sich ernstere Krankheitssymptome, die allerdings sehr unterschiedlich sein können.

Toxoplasmose: Endwirt Katze

Endwirte des Toxoplasmose-Erregers sind unsere Hauskatzen – aber auch Großkatzen wie Luchs oder Ozelot. Nur im Endwirt kann der Erreger sich vermehren: Im Darm wird der Erreger durch den Verdauungsprozess aktiv und bildet sogenannte Oozysten. Diese werden mit dem Kot ausgeschieden und reifen zu infektiösen Eiern heran. Auf dem Weg zum Endwirt kann der Erreger auch Zwischenwirte, wie zum Beispiel Mäuse oder andere Säugetiere befallen.
Während der Infektion bildet die Katze Antikörper gegen den Toxoplasmose-Erreger, die für eine Immunität sorgen. Zwar kann der Erreger wieder in den Organismus der Katze gelangen, die Antikörper sorgen aber dafür, dass keine Oozysten ausgeschieden werden.

Schlauer Neuroparasit: Wenn die Maus keine Angst vor der Katze hat
Der Erreger Toxoplasma gondii zählt zu den Neuroparasiten, die das Gehirn ihres Wirtes befallen und dort Einfluss auf dessen Verhalten nehmen. Natürlich zu ihren Gunsten: Die Katze ist der Endwirt des Toxoplasmose-Erregers. Nur in ihrem Darm kann er Oozysten bilden, sich vermehren und weiterverbreiten. Um zur Katze zu gelangen, bedient er sich eines Tricks: Er manipuliert das Gehirn seiner Zwischenwirte. So fanden Forscher zum Beispiel heraus, dass befallene Mäuse und Ratten ihre natürliche Scheu vor Katzen verlieren. Während der Geruch von Katzenurin normalerweise eine Fluchtreaktion bei den Nagern auslöst, fühlen sie sich jetzt von ihm angezogen und suchen die Nähe ihrer Feinden.

Wie gelangt der Toxoplasmose-Erreger zur Katze?

Damit der Toxoplasmose-Erreger sich weiterverbreiten kann, ist es also wichtig, dass er zur Katze gelangt. Dies geschieht über

  • den Verzehr von infizierten Beutetiere, wie zum Beispiel Mäusen.
  • den Verzehr von rohem Fleisch von Tieren, die sich mit dem Erreger infiziert haben.
  • Kontakt mit Sporen von Oozysten, die von infizierten Artgenossen ausgeschieden wurden.
toxoplasmose-katzen
©revvet.de

Tipps für die Schwangerschaft: Toxoplasmose-Quellen vermeiden

Das Thema Toxoplasmose ist nicht nur für Katzenhalter ein Thema. Als solcher können einige zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen helfen, das Risiko für eine Infektion zu minimieren:

  • Katzen vergraben gerne ihren Kot, daher sollte man den Kontakt zu Sand und Erde weitgehend vermeiden. Zur Gartenarbeit empfiehlt es sich, mit Handschuhen zu arbeiten. Sandkästen sollten bei Nichtbenutzung abgedeckt werden.
  • Das Katzenklo ist im Haushalt die größte potentielle Gefahrenquelle. Es empfiehlt sich, die Reinigung am besten dem Partner zu überlassen. Wenn das nicht möglich ist, können Handschuhe und Mundschutz einer Infektion vorbeugen.
  • Gut zu wissen: Frisch ausgeschiedene Oozysten sind nicht infektiös. Erst nach einigen Tagen erlangen die Oozysten Infektionsreife. Wenn das Katzenklo jeden Tag vom Kot befreit wird, ist das Risiko für eine Infektion mit dem Erreger entsprechend gering. Zusätzlich sollte das Katzenklo regelmäßig gründlich mit heißem Wasser und Neutralreiniger gereinigt werden. Das sind aber Punkte, die nicht nur während der Schwangerschaft gelten.
  • Die Sporen des Erregers können sich auch über die Luft verbreiten. Daher empfiehlt es sich, Katzenstreu und Hinterlassenschaften separat zu entsorgen.

Risikogruppe: Freigänger und BARF-Katzen

Bei reinen Wohnungskatzen, die mit Fertigfutter gefüttert werden, ist das Risiko, dass sie mit dem Toxoplasmose-Erreger in Kontakt kommen, gering. Bei Freigänger-Katzen sieht die Sache schon anders aus: Sie können sich über Beutetiere oder über die Sporen vom Kot infizierter freilaufender Artgenossen infizieren.
Schwangere Frauen sollten kein rohes Fleisch verzehren, da auch andere Tiere als Zwischenwirt des Toxoplasmose-Erregers dienen können. Dadurch führt auch die Rohfütterung (BARF) zu einem höheren Infektionsrisiko: Über das rohe Fleisch kann der Erreger in den Organismus der Katze gelangen. Es ist also überlegenswert, für die Zeit der Schwangerschaft auf hochwertiges Fertigfutter umzustellen oder gekochtes Fleisch zu füttern.
Zudem sollte man sich nach jedem Kontakt mit dem Tier die Hände waschen. Dies gilt besonders vor den Mahlzeiten.

Zur Beruhigung: Antikörper-Tests
Mehr als die Hälfte aller Frauen im gebärfähigen Alter sind bereits mit dem Toxoplasmose-Erreger in Berührung gekommen. In diesem Fall hat der Körper Antikörper gebildet und es besteht eine Immunität, die auch das ungeborene Baby schützt. Beim Frauenarzt kann mittels eines Toxoplasmose-Tests nachgewiesen werden, ob Antikörper im Blut vorhanden sind. Wenn der Test negativ ist, kann Kot und Blut der Katze beim Tierarzt untersucht werden: Befinden sich Oozysten im Kot? Lassen sich Antikörper im Blut nachweisen? Sind Antikörper vorhanden, der Kot aber frei von Oozysten, kann man davon ausgehen, dass die Katze immun gegen den Toxoplasmose-Erreger ist und bei erneutem Kontakt keine Oozysten ausscheiden wird.

Fazit: Toxoplasmose – Katzen – Schwangerschaft

Als Katzenhalter sollte man wissen, dass Katzen ein Risiko zur Toxoplasmose-Infektion mit sich bringen. Im Falle einer Schwangerschaft sollte man natürlich potentielle Gefahrenquellen meiden. Dafür muss die Katze aber nicht abgegeben werden! Nicht nur, weil es nicht nötig ist. Sondern auch, weil Ihr ungeborenes Baby dann nicht in den Genuss einer schnurrenden Katze kommen würde, die sich auf dem Babybäuchlein zusammenrollt und schnurrt als wüsste sie genau, dass Ihr Bauch einen Bewohner beherbergt. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Ihrer Katze eine schöne Schwangerschaft!

Quellen:
Dr. med. vet. Michael Streicher: Kosmos Praxishandbuch Katzenkrankheiten. Kosmos-Verlag.  2013
Dr. Michael Streicher: Infektionsgefahr Katze. Antheon Verlag. 2013
www.spektrum.de/pdf/gug-10-01-s062-pdf/1016137?file, Abruf 07.11.15
http://www.katzenklinik-frankfurt.de/?page_id=29, Abruf 07.11.15

Bildquellen:
Header: ©iStockphoto/WTolenaars
Text: ©revvet.de

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