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Die Diagnose Katzendiabetes hat uns vor manche Herausforderung gestellt. Eine davon war das regelmäßige Blutzuckermessen. Unsere ersten Versuche waren grauenhaft. Doch es half nichts: wir mussten unsere Unsicherheiten überwinden und es lernen – unserem Kater zuliebe. Heute ist der kleine Pik ins Ohr Routine für uns. Aber wir erinnern uns noch gut an die Anfangszeit und möchten daher gerne unsere Erfahrungen teilen. Deswegen haben wir im Folgenden alles Wichtige rund um das Thema Blutzucker messen bei der Katze für dich zusammengefasst.

Warum sollte man den Blutzucker der Katze messen?

Wir erhielten die Erstinformationen über Katzendiabetes in einer Tierklinik. Hier wurde die Krankheit diagnostiziert. Tatsächlich wurde uns geraten, zweimal am Tag Insulin zu spritzen. Nach einer vorgegebenen Dosis, die während des Klinikaufenthalts festgelegt wurde. Das Blutzuckermessen vor der Spritze hielt man nicht für notwendig. Lediglich ein Tagesprofil des Blutzuckers sollten wir im Home Testing erstellen und an einem Tag alle paar Stunden den Zuckerwert messen. Dieses Profil sollten wir zum Folgetermin mitbringen, um zu schauen, ob die Insulindosis passt.

Home Testing – was ist das?
Von Home Testing spricht man im Zusammenhang mit Katzendiabetes, wenn der Halter zuhause den Blutzucker der Katze misst.

Welches Risiko diese Handlungsempfehlung mit sich brachte, wurde uns klar, nachdem wir uns etwas eingelesen hatten. Denn wenn man „blind“ das Insulin spritzt, nimmt man eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) in Kauf.

Unterzuckerung – was ist das?
Fällt der Blutzucker unterhalb eines bestimmten Wertes, hat der Körper nicht mehr ausreichend Energie, um seine lebenswichtigen Funktionen aufrecht zu erhalten. Wird der Unterzucker nicht rechtzeitig erkannt, kann die Katze sterben. Eine Unterzuckerung tritt dann auf, wenn der Katze zu viel Insulin verabreicht wurde.

Der Blutzuckerspiegel ist nicht immer konstant. Je nachdem was und welche Menge eine Diabeteskatze gefressen hat, kann er höher oder niedriger sein. Auch Entzündungen im Körper können beispielsweise den Blutzucker beeinflussen. Nicht zuletzt spielt aber auch Stress eine Rolle und kann den Blutzucker erhöhen.

Es ist davon auszugehen, dass unser Kater Mogli während des Klinikaufenthalts grundsätzlich gestresst war. In der Folge wird der Blutzucker höher gewesen sein als in seiner gewohnten Umgebung bei uns zuhause. Die Dosis, die uns in der Tierklinik empfohlen wurde, wäre also dauerhaft vermutlich zu hoch gewesen. Daher auch die Empfehlung, ein Tagesprofil zu erstellen und damit zur Besprechung wiederzukommen.

Ohne die Klinik…
… gäbe es unseren Kater heute sicher nicht mehr und das Personal dort hat einen tollen Job gemacht. Deswegen möchte ich mit diesem Text nicht die Tierklinik kritisieren, sondern objektiv beschreiben, warum es sinnvoll ist, den Blutzucker von Katzen mehrmals täglich zu messen.

Warum ein Tagesprofil nicht ausreicht

Das Problem mit Tagesprofilen ist, dass sie sich eben nur auf den jeweiligen Tag beziehen. Und Tage sind unterschiedlich. Frisst die Katze am Tag der Profilaufnahme weniger, ist der Blutzucker niedriger als anderen Tagen. Falls sie erbricht ebenfalls. Schnappt sie sich die Kekskrümel weg, die das Kleinkind fallen gelassen hat, ist der Blutzucker höher. Ein Tagesprofil ist also schlichtweg nicht aussagekräftig genug, um darauf basierend eine Insulineinstellung vorzunehmen.

Probier es aus: Miss einige Tage hintereinander alle paar Stunden den Blutzucker deiner Katze und schau dir den Verlauf an. Du wirst dabei vermutlich feststellen, dass es Sinn macht, vor jeder Insulinspritze den Zuckerwert zu messen. Denn der Verlauf wird Schwankungen enthalten und mit dem regelmäßigen Messen des Blutzuckers reduziert du die Gefahr einer Unterzuckerung erheblich.

Daher lautet die goldene Regel: Messen, fressen, spritzen.

So oft wie möglich

Ich wollte zu Anfang unbedingt alles richtig machen. Wir hofften darauf, dass Mogli in Remission gehen würde. Also suchte ich eine Tierärztin, die sich auf Katzendiabetes spezialisiert hat. Diese lag uns das Home Testing dringend ans Herz. Alle vier Stunden – auch in der Nacht. An dieser Stelle möchte ich eine Sache sagen, die sehr wichtig ist: Es ist nicht möglich. Mein Mann ist in der Nacht aufgestanden. Ich bin in der Mittagspause nach Hause gehetzt.

Eine andere Diabeteskatzenhalterin gab mir damals den Rat: Hört auf damit, ihr werdet verrückt. Und sie hatte Recht. Wir konnten das nicht auf Dauer leisten, zumal ich zu dem Zeitpunkt schwanger war und mir nicht nur einmal Sorgen machte, ob der Diabetesstress dem Baby schaden könnte.

Deswegen mein dringender Tipp: Miss zu Beginn der Insulineinstellung so oft es dir möglich ist. Klappt es zeitlich nicht, dann klappt es eben nicht.

Was ist eine Remission?
Von Remission spricht man, wenn es gelingt den Blutzuckerspiegel einer Diabeteskatze dauerhaft im Normalbereich zu halten, sodass keine Insulingabe mehr notwendig ist.

Die Überwindung

Der Blutzucker von Katzen wird in der Regel im Ohr gemessen. Das erste Mal in den dünnen Rand zu stechen, hat mich jede Menge Überwindung gekostet. Tatsächlich fiel es mir viel schwerer als ihm das Insulin zu spritzen, dabei ist das Zuckermessen nur ein kleiner Pik. Erschwerend hinzu kam, dass Mogli anfangs natürlich auch nicht begeistert davon war, dass wir an seinem Ohr herumdokterten. Und hatte man sich dann endlich überwinden, kam zu Anfang kein Blut. Man musste wieder und wieder stechen und es tat mir so leid. Mogli machte es so prima mit und wir stellten uns gefühlt so blöd an.

Mein Tipp: Wenn du das Gefühl hast, es will einfach nicht klappen, gib nicht auf! Mensch und Katze müssen das Blutzuckermessen lernen. Und nicht zuletzt heißt es auch, dass das Katzenohr das Bluten erst lernen muss.

Wir haben anfangs mit viel Leckerlis und einem Signalwort gearbeitet. Das haben wir gemacht, damit Mogli wusste, was kommt: erst der Pik, dann die Belohnung Unser Wort war übrigens „Piksidipiks“ – es erinnerte uns ein wenig an einen Zauberspruch. Vielleicht hofften wir insgeheim, dass wir den Zuckerwert ohne den Blutstropfen herbei zaubern könnten. So oder so: Übung macht den Meister. Hatten wir anfangs regelrecht Angst vorm Blutzuckermessen, klappte es mit der Zeit immer besser und ist heute schlichtweg Routine.

Was du zum Blutzuckermessen bei der Katze brauchst

  • Geduld
  • Blutzuckermessgerät aus der Humanmedizin
    Es besteht keine Notwendigkeit, ein spezielles Blutzuckermessgerät für Tiere zu kaufen. Eines für Menschen reicht völlig aus. Hilfreich ist, wenn das Gerät schnell misst, denn gerade am Anfang ist die Katze nicht immer geduldig und zieht vielleicht vorschnell das Ohr weg. Im Idealfall sollte das Blutzuckermessgerät außerdem Ketone messen können.
  • Teststreifen für das Blutzuckermessgerät
  • Lanzetten
    Es gibt unterschiedliche Varianten und Stechhilfen. Wir benutzen stinknormale preisgünstige Blutlanzetten und kommen damit wunderbar klar.
  • Wattepads
  • Taschenlampe
    Gerade bei dunklen Katzen ist es nicht immer einfach zu sehen, wo das Blut entlang fließt. Deswegen kann es anfangs helfen, das Katzenohr von unten anzuleuchten. Durch das Licht scheinen die Ohrrandvenen durch und man weiß, wo man zustechen muss.
  • Leckerlis
blutzucker messen katze
Unsere Ausstattung zum Blutzucker messen.

So geht das Blutzuckermessen bei Katzen

  1. Wasche deine Hände, bevor du den Blutzucker deiner Katze misst.
  2. Leg dir das Zubehör fürs Blutzuckermessen zurecht, sodass du alles zur Hand hast.
  3. Wenn deine Katze freiwillig zum Messen bei dir bleibt, nimm sie auf den Schoß.
  4. Möchte sie fliehen, nehme sie mit sanften Druck zwischen deine Beine, damit du sie stabilisieren kannst und gleichzeitig beide Hände zum Messen frei hast.
  5. Reibe das Ohr, in dem du den Blutzucker messen möchtest, mit der Hand warm. Kalte Ohren geben kein Blut.
  6. Bereite das Blutzuckermessgerät vor, sodass du nur noch den Teststreifen in den Blutstropfen halten musst.
  7. Halte ein Wattepad von unten gegen das Ohr und drücke die Ohrrandvene am Ohransatz gut ab, sodass sie leicht hervortritt.
  8. Jetzt kannst du mit der Lanzette in die Vene stechen.
  9. Nun brauchst du nur noch den Teststreifen in den Blutstropfen halten und kannst im Anschluss deine Katze mit einem Leckerli belohnen.

Video: Blutzucker messen bei der Katze

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Noch Fragen?

Hast du noch Fragen? Dann hinterlass uns gerne einen Kommentar. Wir versuchen, deine Frage zeitnah zu beantworten.

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Ich bin Nicole. Bei revvet.de schreibe ich über unsere Mitbewohner auf vier Pfoten: Die beiden Katzen Shiva & Mogli und Zwergkaninchen Frodo. Was auch immer mir im Zusammenleben mit unseren Tieren interessant erscheint, findet hier seinen Platz. Kontakt über G+
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