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Wer sich ein Tier anschafft, weiß in der Regel, dass Tierarztkosten auf ihn zukommen: jährliche Impfungen, Wurmkuren, der verdorbene Magen und ähnliches sind erst die Spitze des Kostenberges. Je älter das Tier, desto höher die Kosten: Zipperlein, chronische Erkrankungen oder Zahnsanierungen erfordern ärztliche Behandlung. Aber auch, wenn das Tier noch jung ist, kann es krank werden oder einen Unfall haben. Und dann wird es schnell richtig teuer.

Wohl niemand möchte seinem Tier die medizinische Behandlung verweigern, weil er die Kosten nicht tragen kann. Kein Wunder also, dass immer mehr Tierhalter darüber nachdenken, eine Krankenversicherung für ihr Tier abzuschließen. Aber was taugen die Krankenversicherungen für Hunde und Katzen? Stiftung Warentest hat getestet und die Ergebnisse in der aktuellen Finanztest-Ausgabe veröffentlicht.

Krankenversicherungen für Hunde und Katze – keine überzeugt völlig!

Mehr als einmal haben wir überlegt, ob wir unsere beiden Katzen Mogli und Shiva krankenversichern sollen. Und immer wieder haben wir uns dagegen entschieden. Denn jedes Mal, wenn wir uns die Angebote der Versicherungsunternehmen angeschaut haben, fühlten wir uns schnell verunsichert und wussten nicht, worauf es zu achten gilt. Daher haben wir uns sehr gefreut, als wir gesehen haben, dass die Stiftung Warentest Tierkrankenversicherungen getestet hat. Leider ist das Ergebnis ernüchternd: Es gibt nur wenige Tarife und keiner konnte beim Test völlig überzeugen!

Auch Stiftung Warentest geht es nicht besser als uns: Unterschiedliche Leistungen und finanzielle Obergrenzen erschweren den Tarifvergleich und die Verträge sind teuer und kompliziert. 18 Tarife von fünf unterschiedlichen Versicherungsunternehmen wurden unter die Lupe genommen. Unterschieden werden Operationskostenversicherungen und Krankenvollversicherungen. OP-Kosten werden in beiden Fällen abgesichert, bei den Vollversicherungen werden weitere Kosten übernommen. So oder so sollte man genau lesen, was übernommen wird und was nicht.

Tierversicherungen: Stiftung Warentest-Erkenntnisse

Die Erkenntnisse aus dem Tierversicherungstest von Stiftung Warentest überraschen nicht:

  • Ein Tier mit Vorerkrankungen zu versichern, lohnt meistens nicht. Häufig wird ein höherer Beitrag verlangt oder die Erkrankung vom Vertrag ausgeschlossen, so dass hierfür keine Kosten übernommen werden. Es ist auch möglich, dass das Tier von der Versicherung abgelehnt wird.
  • Auch, wenn das Tier schon älter ist, ist es nicht einfach, eine Versicherung zu finden. Wenn man seinen Hund oder seine Katze krankenversichern möchte, sollte man das tun, solange es noch jung ist.
  • Fazit: Die Beiträge für Tierkrankenversicherungen sind hoch, die Leistungen beschränkt. Meist ist es sinnvoller, monatlich Geld zur Seite zu legen, das man im Krankheitsfall verwenden kann.

Den Test und die Testergebnisse finden Sie hier.

Unser Fall: Mogli, acht Jahre alt, Diabetiker

Der Tierversicherungstest hat uns neugierig gemacht und wir haben mal geschaut, was es für Versicherungsmöglichkeiten für unseren Kater Mogli gäbe. Denn allein durch seine Diabeteserkrankung hat er in den letzten 4 Monaten Kosten im vierstelligen Bereich verursacht. Also haben wir spaßeshalber seine Daten in den Tarifrechner eines bekannten Versicherers eingegeben.

Tarifvergleich bei einem bekannten Tierversicherer

Unsere Eingabe:
Mogli ist eine Katze, Rasse: Europäische Hauskatze. Er ist eine Wohnungskatze. Sein Geburtsdatum: 20.11.2007.

  • Auswahlmöglichkeiten werden uns keine geboten: Für unseren achtjährigen Kater gibt es nur die Möglichkeit den Tarif „Tierkrankenschutz“ zu buchen. Zum Vergleich: Ändere ich das Geburtsjahr auf 2015, kann ich zwischen vier Tarifen wählen. Das maximale Aufnahmealter für den verbleibenden Tarif liegt bei neun Jahren.
  • Kosten pro Monat: 26,90 Euro.
  • Die Leistungsgrenze für Operationen liegen bei diesem Tarif bei 1.600 Euro. Ab dem fünften Geburtstag wird eine Selbstbeteiligung von 20 Prozent fällig.
  • Für tierärztliche Leistungen (ambulante/stationäre Heilbehandlung inkl. Arzneimittel, Unterbringung in Tierkliniken, Diagnostik, etc.) liegt die Leistungsgrenze bei 300 Euro.
  • Stellen wir uns vor, wir hätten Anfang letzten Jahres eine Krankenversicherung für Mogli abgeschlossen. Zum damaligen Zeitpunkt wäre er ein Jahr jünger gewesen, wir hätten 23,90 Euro für den gleichen Tarif bezahlt – also 3 Euro weniger. Tatsächlich hätten wir vor einem Jahr auch noch aus zwei Tarifen wählen können.
  • Im Oktober 2015 wurde Mogli krank, er musste in eine Tierklinik. Betrachtet man nur die erste Mammutrechnung der Klinik (ohne Berücksichtigung vorheriger oder nachfolgender Kosten, die in ihrer Gesamtheit ebenfalls nicht niedrig waren) lag allein diese bei über 1.500 Euro.
  • 300 Euro hätten wir von der Versicherung bekommen.
  • 286,80 Euro wäre der Jahresbeitrag für die Versicherung gewesen.
  • Wir hätten also unterm Strich 13,20 Euro von der Versicherung bekommen und letztlich alle Kosten selber tragen müssen.

Unser Fazit: Selbst, wenn wir die Vorerkrankung Diabetes nicht berücksichtigen, macht eine Krankenversicherung für unseren Kater Mogli keinen Sinn.

Quelle: Stiftung Warentest | Finanztest, Ausgabe 2/2016

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Ich bin Nicole. Bei revvet.de schreibe ich über unsere Mitbewohner auf vier Pfoten: Die beiden Katzen Shiva & Mogli und Zwergkaninchen Frodo. Was auch immer mir im Zusammenleben mit unseren Tieren interessant erscheint, findet hier seinen Platz. Kontakt über G+
2 KOMMENTARE
  1. Hallo Nicole (und Mogli 😊),

    das deckt sich auch mit meinem Eindruck! Kurz nachdem ich Mika aus dem Tierheim geholt habe, habe ich mich auch mal etwas mit dem Thema auseinandergesetzt und kam zu ähnlichen Ergebnissen / Schlussfolgerungen wie du jetzt für Mogli – und da war der Bub erst 2 Jahre alt, mittlerweile würde er gar nicht mehr aufgenommen. Als Daumenregel wird bei Hunden gerne gesagt, dass eine OP-Versicherung sich lohnen kann, eine Vollkrankenversicherung eher nicht (viele Ausschlüsse, Eigenbeteiligung etc. bei hohen Beiträgen). Aber vielleicht bessern die Versicherer ja aufgrund des Tests noch an der ein oder anderen Stelle nach!

    Liebe Grüße
    Alexandra & Mika

  2. Das ist ein super Beitrag und sehr informativ 🙂
    Vor allem die Rechnung mit deinem Kater fand ich toll und sehr anschaulich.
    Ich habe vor zwei Wochen meine zwei Katzen bekommen und auch schon darüber nachgedacht.
    Aber ich denke ich werde auch nur monatlich etwas zurücklegen, da es sich sonst nicht lohnt.

    LootieLoo’s plastic world

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