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Als unser Kater Mogli klein war, hatte er ein besondere Vorliebe: Handy-Ladekabel. Man konnte kein Ladekabel unbeaufsichtigt lassen, weil Klein-Kater es mit Sicherheit Ruck-Zuck zerbissen hat. Einmal hat er dabei auch Kabelteile gefressen. Die Folgen waren Erbrechen und ein Besuch beim Tierarzt. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert und Mogli hat das Kabelbeißen irgendwann bleiben gelassen. Tatsächlich gibt es aber Katzen, die an einer Verhaltensstörung leiden, die damit einher geht, dass sie unverdauliche Stoffe fressen. Diese Verhaltensstörung wird Pica-Syndrom genannt.

Pica-Syndrom: Was ist das?

Das Pica-Syndrom bei Katzen beschreibt ein zwanghaftes, stereotypes Verhalten, das sich darin äußert, dass betroffene Tiere für sie unverdauliche Stoffe fressen. Häufig werden zum Beispiel Wolle, Textilien oder Teppiche gefressen. Von einer Stereotypie spricht man bei wiederkehrenden Handlungen, die nicht dem Normalverhalten entsprechen und denen keine körperliche Ursache zugrunde liegt. Das Pica-Syndrom gibt es übrigens auch beim Menschen. Es wird hier als Essstörung eingeordnet, bei der die Betroffenen ebenfalls Substanzen zu sich nehmen, die nicht für den Verzehr geeignet sind, zum Beispiel Erde, Sand, Farbe, oder Papier.

Pica-Syndrom bei Katzen: Symptome

Meistens beginnt ein Pica-Syndrom bei Katzen zwischen dem 2. und dem 8. Lebensmonat. Es beginnt meistens mit Wollefressen. Peter Neville, ein englischer Verhaltenstherapeut für Hunde und Katzen, der mittlerweile in den USA lebt und dort Purina berät, beschreibt als einer der ersten Autoren das Phänomen des Wollenuckeln und –fressen bei Katzen.
Neville vermutet den Lanolingeruch der Wolle als auslösenden Reiz, der zum Wollefressen führt. Lanolin ist Wollfett und erinnert scheinbar an das Fell der Katzenmutter. Wenn die Kätzchen das Fehlverhalten einmal erlernt und verfestigt haben, werden neben Wolle auch Baumwolle und andere synthetische Fasern gefressen.

Abgrenzung: Ist es ein Pica-Syndrom?

Im Fall von Mogli war das Kabelfressen wahrscheinlich eher seiner Neugier oder Langeweile geschuldet. Das Annagen von Kabeln ist anscheinend bei Jungtieren nicht unüblich. Es kann allerdings gefährlich werden. Daher empfiehlt es sich Kabel entsprechend mit Kabelkanälen zu sichern. Auch dürften die meisten Katzenbesitzer schon mal angeknabberte oder abgefressene Zimmerpflanzen vorgefunden haben. Das Fressen von Zimmerpflanzen wird nicht als Pica gewertet sondern dem Mangel an bestimmten Mineralien oder Rohstoffen zugeschrieben. Typischerweise fressen Katzen, die an Pica leiden, textile Materialien. Sollte Ihre Katze andere unverdauliche Gegenstände fressen, klären Sie dieses Verhalten im Zweifel mit einem Tierarzt oder einem Katzentherapeuten ab.

Pica-Syndrom bei Katzen: Ursachen

Für das Pica-Syndrom werden mehrere mögliche Ursachen vermutet:

  • Anscheinend zeigen einige Katzenrassen eine genetische Anfälligkeit für das Pica-Syndrom. Laut einer Studie aus dem Jahr 2002 sind Siamkatzen besonders häufig von der Verhaltensauffälligkeit betroffen. Von den untersuchten Katzen waren 55% Siamkatzen und 28% Burmakatzen.
  • Zu frühes Abstillen der Kätzchen und/oder eine zu frühe Trennung von Mutter und Geschwistern kann ein Pica-Syndrom zur Folge haben.
  • Trennungsangst, sowie eine abnormale Bindung zum Haltung können zu einem Pica-Syndrom führen.
  • Auch Stress kann schuld daran sein, wenn die Katze anfängt, Wolle und andere unverdauliche Dinge zu fressen.

Pica-Syndrom bei Katzen: Was tun?

Wenn eine Katze am Pica-Syndrom leidet, sollte ihr als erstes der Kontakt zu den entsprechenden Materialien verwehrt werden. Denn das Fressen von Wolle und anderen unverdaulichen Materialien ist natürlich nicht gesund und kann chirurgische Eingriffe erforderlich machen.  Nun ist es schwierig alle Textilien vor der Katze in Sicherheit zu bringen. Hier kann es helfen, die entsprechenden Gegenstände mit Substanzen einzureiben, die die Katze als unangenehm empfindet, zum Beispiel Tabasco. Auch Katzen-Fernhaltespray kann helfen. Prinzipiell sollten Halter von Pica-Katzen darauf achten, ob die Katze unter Stress steht und diesen möglichst eliminieren.

Zur Ablenkung von dem erlernten Verhalten kann es helfen, die Katze mit neuem Spielzeug und regelmäßigen Spiel-Ritualen abzulenken. Die früheren Aktivitäten wie Saugen und Lecken werden so auf den natürlichen Jagdtrieb umgeleitet.
Auch eine Ernährungsumstellung auf rohfaserreiches Trockenfutter kann bei der Behandlung von Pica bei Katzen hilfreich sein. Sprechen Sie im Vorfeld am besten mit Ihrem Tierarzt. Gegebenfalls kann dieser medikamentös unterstützen.

Quellen:
– Wolf-Dieter Schmidt: Verhaltenstherapie der Katze. Schlütersche GmbH & Co. KG. 2003
– http://www.netdoktor.de/krankheiten/pica-syndrom/, Abruf 19.01.2014
– http://www.katzenpsychologie.com/Bilder/ko3.htm, Abruf 19.01.2014
– http://de.wikipedia.org/wiki/Siamkatze, Abruf 19.01.2014
– http://www.coape.org/pfn/index.html, Abruf 19.01.2014

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Ich bin Nicole. Bei revvet.de schreibe ich über unsere Mitbewohner auf vier Pfoten: Die beiden Katzen Shiva & Mogli und Zwergkaninchen Frodo. Was auch immer mir im Zusammenleben mit unseren Tieren interessant erscheint, findet hier seinen Platz. Kontakt über G+
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