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Wer unseren Blog schon länger liest, weiß, dass unser Kater Mogli an Katzendiabetes erkrankt ist. Heute möchte ich euch einen kleinen Einblick in seine Krankenakte geben und einen Artikel schreiben, den ich lange vor mir hergeschoben habe. Denn noch heute tut es mir weh, an den Beginn seiner Krankheit zu denken. An die Angst, ihn nicht lebendig wiederzusehen. An die Frage: Was wäre gewesen, wenn wir anders gehandelt hätten? Wäre er dann heute noch gesund? Für unseren Mogli können wir nichts mehr ändern. Nichts rückgängig machen. Aber eine Sache können wir: euch versuchen, zu sensibilisieren. Dafür, immer zu hinterfragen. Auch einen Tierarzt – oder gerade den. Denn, wenn wir vielleicht gefragt hätten. Vielleicht gesagt hätten: Nein – das machen wir anders. Ja, dann wäre Mogli vielleicht tatsächlich noch gesund. Denn bis zu einer Cortison-Behandlung war er ein gesunder Kater – abseits einer Futtermittelallergie.

Der Anfang

Es begann alles vermeintlich harmlos: Eines Tages bemerkten wir, dass Mogli eine Stelle unterhalb seines Ohres aufkratzte. Da er nicht damit aufhörte und auch bald beim zweiten Ohr anfing, brachten wir ihn zum Tierarzt. Zu diesem Zeitpunkt vermuteten wir einen Parasiten, der für den Juckreiz verantwortlich war. Wir erhielten eine desinfizierende Tinktur, mit der wir die Stellen behandeln sollten. Kurzzeitig sah es aus, als würden die Stellen verheilen. Doch unser Kater kratzte sie wieder auf. Er konnte es nicht lassen. Also fuhren wir wieder mit ihm zum Tierarzt. Dieser vermutete eine Futtermittelallergie.

„Man könnte jetzt eine Ausschlussdiät machen. Das ist aber sehr langwierig und hilft erst mal nicht gegen den Juckreiz – dagegen spritze ich ihm jetzt etwas.“

Gesagt, getan. Wir hinterfragten nicht, fragten nicht mal, was genau eigentlich in der Spritze war. Wir vertrauten darauf, dass unser Tierarzt wüsste, was zu tun ist. Mogli erhielt noch einen Kragen, damit er nicht mehr an die juckenden Stellen kam, um sich zu kratzen.

Nächster Stop: Tierklinik

Bereits am Abend, direkt nach dem Tierarztbesuch, fiel uns auf, dass Mogli schlapp war. Auch in der Nacht verbesserte sich sein Zustand nicht. Am Vormittag des nächsten Tages begann er damit, auffällig viel zu trinken. Direkt danach erbrach er alles in hohem Bogen wieder. Dann rollte er sich zusammen und schlief. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass Mogli vielleicht das Medikament nicht vertragen hätte und beobachtete sein Verhalten. Er war schlapp, nahm nichts zu sich. Bis er am Nachmittag erneut zum Wassernapf ging, alles austrank und erbrach. Ich rief bei unserem Tierarzt an. Wir sollten am Abend noch mal mit ihm kommen. Erneut bekam er etwas gespritzt – gegen die Übelkeit dieses Mal. Nun sollte das „exzessive Erbrechen“ aufhören, wie sie es nannte. Wenn nicht, sollten wir am nächsten Tag wiederkommen. Wieder zu Hause angekommen, rollte der Kater sich zusammen und schlief. Kurze Zeit später stand er auf und erbrach. Das wiederholte sich noch weiteres Mal, bis wir ins Bett gingen. In der Nacht wachte ich auf – der Kater erbrach sich. Er spuckte Blut. Dann wankte er ins Badezimmer, scheinbar wollte er zum Katzenklo. Aber er schaffte den Weg nicht und urinierte auf den Fliesenboden. Sebastian, der mittlerweile auch wach geworden war, schaute das Häufchen Katerelend an und sagte: „Wir warten nicht bis morgen. Wir fahren in die Klinik.“

„Es wird doch alles gut, oder?“

Unserem Kater wurde Blut abgenommen. Seine Blase wurde punktiert, um eine Urinprobe zu gewinnen. Mogli ließ alles klaglos über sich ergehen. Ein Zeichen dafür, wie schlecht es ihm ging. Er war zu geschwächt, um sich zu wehren.

In der Krankenhausakte wird sein Zustand wie folgt beschrieben: „Hämatemesis, Anorexie, Hyperglykämie, Hyperbilirubinämie, Leukozytose.“ Auf Deutsch: Erbrechen von Blut, Appetitlosigkeit, Überzucker, erhöhter Serumbilirubinspiegel, Vermehrung an Leukozyten im Blut. Wir konnten uns entscheiden zwischen einer symptomatischen Behandlung oder einer stationären Aufnahme, um herauszufinden, was ihm fehlte. Wir entschieden uns dafür, ihn da zu lassen. Wenn man die diensthabende Ärztin fragt: „Es wird doch alles gut, oder?“ und diese antwortet: „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“, ist das nicht, was man hören möchte. Schweren Herzens fuhren wir nach Hause.

Die Diagnose

Am nächsten Tag warteten wir auf den Anruf aus der Klinik. Und der kam irgendwann: Es ging ihm besser. Aber er war dauerhaft krank. Diagnose: Diabetes. Er musste in der Klinik bleiben. Alle vier Stunden wurde sein Blutzucker gemessen. Man wollte ihn auf ein Insulin einstellen, bevor er zu uns nach Hause konnte. Sehen durften wir ihn erst mal nicht. Was die Diagnose im Detail für uns bedeuten würde – wir hatten keine Ahnung.

Spurensuche

Einige Tage später durften wir Mogli abholen. Wir waren froh und versuchten, seine Krankheit zu verstehen und damit umzugehen. Aber eine Frage ließ uns nicht los: Warum? Woher kam die Erkrankung auf einmal? Er hatte vor seinem „Zusammenbruch“ keine Symptome, die für Diabetes typisch sind. Er fraß normal, trank nicht viel, urinierte nicht auffällig häufig, nahm nicht ab. Auch hatte er kein Übergewicht – Hauptrisikofaktor für die Krankheit.  Was war passiert? Was hatte der Tierarzt ihm gespritzt, das solche Folgen hatte? Als Mogli in die Klinik kam, baten wir unseren Tierarzt, die angewandten Medikamente zu übermitteln. Das hatte er auch getan und wir hatten Glück. Bei einer Nachkontrolle verriet es uns eine der Ärztinnen aus der Klinik. Es war ein Langzeit-Cortison. Interessanterweise tauchte diese Information nicht in der Akte auf, die wir uns vom Krankenhaus schicken ließen. Dort steht lediglich, dass er eine Antibiosetherapie erhielt, das heißt, dass er ein Antibiotikum bekommen hatte. Von einem anderen Tierarzt hörten wir dann, dass es keine Seltenheit ist, dass die Cortison-Behandlung nirgends auftaucht. Denn: Cortison kann bei Katzen Diabetes auslösen.

Cortison – häufige Ursache für Katzendiabetes

Cortison ist leider eine häufige Ursache für Katzendiabetes. Eine einzige Depotspritze, bei der der Wirkstoff über einen längeren Zeitraum freigesetzt wird, kann ausreichen, um die Krankheit auszulösen.1 Da ein eindeutiger zeitlicher Zusammenhang besteht und Mogli vorher keine Krankheitssymptome hatte, vermuten wir, dass Mogli auch zu den Cortisons-Diabetikern gehört.

Cortison bei Futtermittelallergien?

Was hat es aber eigentlich mit dem Cortison auf sich? Cortison ist eine chemische Abwandlung des körpereigenen Hormons Cortisol, das in der Nebennierenrinde hergestellt wird. Es wirkt entzündungshemmend und antiallergisch. Zudem wirkt es immunsuppressiv, hemmt also das Immunsystem, das auf einen harmlosen Stoff überreagiert. Deswegen wird es gerne bei Futtermittelallergien eingesetzt. Das Problem dabei ist, dass Cortison zwar gegen die Symptome hilft: der Juckreiz verschwindet, die Wunden heilen. Aber es hilft nicht gegen die Ursache. Besteht der Verdacht auf eine Futtermittelallergie, hilft nichts anderes, als den Auslöser zu finden. Denn das Cortison sorgt vielleicht dafür, dass die Symptome verschwinden. Aber sie werden wiederkehren, wenn die Katze wieder mit dem Stoff in Berührung kommt, der die allergische Reaktion auslöst. So war es auch bei Mogli. Zwar hat man es in der Klinik hinbekommen, die Symptome erfolgreich zu behandeln. Aber kurze Zeit später standen wir wieder vor dem Problem, dass Mogli sich die Ohren aufgekratzt hat. Man hat uns übrigens nicht verraten, wie man die Symptome behandelt hat – auch nicht auf Nachfrage. Nach einigem Probieren, einigen Erfolgen und etlichen Rückschlägen, sind wir darauf gekommen, dass Mogli scheinbar kein Rindfleisch verträgt.

Cortison als Gegenspieler zum Insulin

Das körpereigene Cortisol gehört zu den Stresshormonen. Stresshormone werden in Stresssituationen ausgeschüttet, um Energiereserven freizusetzen. Dadurch steigt der Blutzucker. Ebenso verhält es sich mit der chemischen Variante Cortison – auch sie sorgt für einen erhöhten Blutzucker. Zucker bzw. Glukose ist lebenswichtig für uns, allerdings muss sie auch in den Zellen ankommen. Hierfür gibt es das Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse hergestellt wird. Es funktioniert wie eine Art Schlüssel, der die Zellen aufschließt, damit die Glukose hineinkommt. Ist viel Glukose im Blut vorhanden, wird viel Insulin produziert. Kann nicht genügend Insulin produziert werden, kommt die Glukose nicht in den Zellen an. Der Schlüssel zum Öffnen fehlt, die Glukose verbleibt im Blut.

So wie ich es verstehe, gab es im Fall von Mogli zwei Problemstellen: 1. Er hatte eine Entzündung am aufgekratzten Ohr. Kommt es zu einer Entzündung im Körper, wird vermehrt Cortisol ausgeschüttet. Cortisol sorgt für eine Erhöhung des Blutzuckers. 2. Er erhielt eine Cortison-Depotspritze zur Unterdrückung seiner allergischen Symptome. Cortison sorgt für eine Erhöhung des Blutzuckers. 3. Das produzierte Insulin war nicht mehr ausreichend, um die Glukose in die Zellen zu bringen.

Und die Moral von der Geschicht

Natürlich kann es sein, dass es sich um einen Zufall handelt. Dennoch möchten wir euch ans Herz legen, immer zu fragen, welche Medikamente eurer Katze gegeben werden. Fragt nach, warum. Und lasst euch immer eine Rechnung geben, auf der die Medikamente detailliert aufgelistet sind. Denn so habt ihr alles griffbereit, wenn es zu einer Unverträglichkeit kommen sollte.

Quellen:
1http://katzendiabetes.info/ursachen.php, Abruf 02.04.17

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