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Seitdem bei unserem Kater Mogli Diabetes diagnostiziert wurde, hat mein Vertrauen in Tierärzte einen Knacks bekommen – zumindest, was diese Erkrankung betrifft. Zu viele Fragen blieben offen oder wurden unzureichend beantwortet. Und dann steht man da – ausgestattet mit Insulin und Spritzen und soll das Richtige für sein Tier tun. Hilflos, ängstlich, allein und furchtbar überfordert. Wir beschäftigen uns viel mit dem Thema und lesen immer wieder, dass es nicht nur uns so geht. Deswegen gibt es heute bei uns eine Checkliste, die Ihnen helfen soll, einen guten Tierarzt für die Diabetes-Behandlung Ihrer Katze zu finden.

Sieben Tipps: Erkennen Sie, ob Ihr Tierarzt sich mit Katzendiabetes auskennt

1. Diagnose

In Stresssituationen schüttet der Körper Stresshormone aus, die Energiereserven freisetzen. Diese sorgen dafür, dass der Körper im Gefahrenfall reagieren kann („Fight or Flight“). Zu den Stresshormonen gehören die sogenannten Glukokortikoide, die den Blutzuckerspiegel erhöhen. Katzen reagieren sehr schnell auf Stress – bereits die Fahrt zum Tierarzt kann dafür sorgen, dass der Blutzuckerspiegel ansteigt. Die reinen Blutzucker-Messwerte in der Tierarztpraxis reichen folglich nicht aus, um die Diagnose Diabetes zu stellen. Sind die Werte in der Praxis noch erhöht, sind sie auf dem heimischen Sofa oftmals wieder im Normalbereich, wenn die Stresssituation vorüber ist. Würde die gesunde Katze aufgrund der erhöhten Werte mit Insulin behandelt werden, hätte das schlimme gesundheitliche Folgen, die im schlimmsten Fall mit dem Tod enden können. Um die Diagnose Diabetes sicher stellen zu können, muss der Tierarzt eine Blutprobe entnehmen und die Langzeitzuckerwerte bestimmen. In der Regel wird der Fructosamin-Wert betrachtet. Dieser gibt Aufschluss über die Blutzuckerentwicklung der letzten ein bis drei Wochen.

Fazit: Die alleinige Betrachtung der Blutzuckerwerte reicht nicht aus, um die Diagnose Diabetes zu stellen. Fragen Sie unbedingt nach einer Fructosamin-Bestimmung!

Unsere Erfahrung: Wir hatten das Glück, dass bei Mogli gleich in der Tierklinik die Fructosamin-Werte bestimmt wurden. Wir haben aber schon häufiger gelesen, dass Katzen nur aufgrund erhöhter Blutzuckerwerte mit Insulin behandelt wurden.

2. Hometesting

Ein Mensch, der an Diabetes leidet, muss regelmäßig seine Blutzuckerwerte messen. Nur so kann er zu hohe oder zu niedrige Werte vermeiden und die notwendige Insulindosis bestimmen. Dies hilft nicht nur, die Krankheitssymptome zu verringern, sondern auch Folgeerkrankungen zu verhindern. Was für Menschen gilt, gilt auch für Katzen. Misst man den Blutzucker nicht regelmäßig, weiß man nicht, ob die Insulindosis passt. Im schlimmsten Fall spritzt man die Katze dann in den Unterzucker, der tödlich enden kann. Eine schlecht eingestellte Diabetes-Erkrankung kann zudem Folgekrankheiten auslösen, zum Beispiel eine Ketoazidose oder eine chronische Niereninsuffizienz. Entsprechend ist die Lebenserwartung von Diabeteskatzen, denen „blind“ Insulin verabreicht wird, geringer als die von Katzen, bei denen der Halter sich für Hometesting entscheidet. Viele Tierärzte sehen das jedoch anders und raten vom Hometesting ab. Stattdessen soll die Katze lieber über mehrere Tage in der Praxis eingestellt werden. Was hierbei vergessen wird: die Katze wird sich in einer Tierarztpraxis anders verhalten als in ihrer gewohnten Umgebung. Hier steht sie unter Stress, was zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Wenn man die Messwerte als Grundlage nimmt, würde man mehr Insulin spritzen als notwendig und eine Unterzuckerung ist vorprogrammiert.

Fazit: Um eine Unterzuckerung und Folgeerkrankungen zu vermeiden, sollte man unbedingt mehrmals am Tag die Blutzuckerwerte der Katze messen!

Unsere Erfahrung: Uns wurde zwar empfohlen, uns ein Testgerät anzuschaffen und regelmäßig 24-Stunden-Profile zu erstellen. Die Empfehlung ging aber leider nicht so weit, täglich zu messen.

3. 24 Stunden-Profile

Nicht selten entscheidet der Tierarzt über die Insulindosis, die injiziert werden soll und empfiehlt dann zum Beispiel nach sieben Tagen ein 24 Stunden-Profil zu erstellen, bei dem alle paar Stunden Blutzucker gemessen wird. So entsteht eine Tageskurve. Auf dieser Basis entscheidet dann der Tierarzt, ob die Katze gut eingestellt ist oder die Insulindosis angepasst werden muss. Eine einzige Tageskurve ist aber nicht aussagekräftig! Denn gerade, wenn das Tier noch nicht gut eingestellt ist, kann es zu sehr starken Schwankungen in den Kurven kommen. So kann es sein, dass auf einen Tag mit niedrigen Werten ein Tag mit hohen Werten folgt. Eine gute Insulineinstellung ist auf dieser Grundlage nicht möglich.

Fazit: Ein 24 Stunden-Profil der Blutzuckerwerte ist nicht aussagekräftig. Nur, wer mehrmals täglich Blutzucker misst, schafft eine gute Basis, um die Katze auf das Insulin einzustellen.

Unsere Erfahrung: Wir haben einmal ein 24-Stunden-Profil erstellt, um dann im Anschluss relativ schnell auf tägliches Hometesting umzustellen.

4. Diabetes-Diätfutter

Das Erste, was die meisten Tierärzte Diabeteskatzen verordnen, ist spezielles Diabetes-Katzenfutter. Das ist meistens recht teuer und zudem von der Zusammensetzung nicht optimal. Speziell Trockenfutter hat auf dem Speiseplan von Diabetes-Katzen nichts verloren. Futter für Katzen mit Diabetes sollte möglichst wenig Kohlenhydrate enthalten. Denn Kohlenhydrate sind nichts Anderes als Zucker. Leider steht auf den Katzenfutterdosen nicht drauf, wieviel Kohlenhydrate enthalten sind. Zum Glück habe ich kurz vor der Diabetes-Diagnose einen Futterkurs bei Katzvard absolviert, sodass ich wusste, wie man den Kohlenhydratanteil berechnen kann. Hierfür ist der sogenannte NfE-Wert (Stickstofffreie Extraktstoffe) in der Trockenmasse ausschlaggebend. Dieser sollte unter zehn Prozent1 liegen. Das Diätfutter für Diabetiker hat aber meistens deutlich höhere Werte, sodass die Katze mit einem normalen Futter, das einen niedrigen NfE-Anteil hat, mit weniger Insulin auskommt.

Tipp: Hier können Sie den NfE-Wert von Katzenfutter berechnen!

Fazit: Es ist nicht notwendig, spezielles Diätfutter für Diabeteskatzen zu füttern! Wichtig ist, dass das Futter möglichst wenig Kohlenhydrate enthält. Dies lässt sich ganz einfach berechnen. Diabetesfutter enthält meistens zu viel Kohlenhydrate.

Unsere Erfahrung: Auch uns wurde geraten, Diabetesfutter zu füttern – Nass- sowie Trockenfutter. Das empfohlene Nassfutter hatte einen NfE-Wert (in der Trockenmasse) von deutlich über zehn Prozent. Wir füttern kein Diabetes-Katzenfutter – bei uns stehen unterschiedliche normale Nassfuttersorten mit einem NfE-Anteil von unter zehn Prozent auf dem Speiseplan.

5. Blutzucker messen

Bereits an der Art, wie der Tierarzt Blutzucker misst, kann man erkennen, ob er sich mit der Krankheit Diabetes auskennt. Der richtige Ort, um Blut für die Teststreifen zu gewinnen, ist das Ohr. Hier sticht man aber nicht irgendwo im Knorpelgewebe, sondern am Ohrrand. Am Rand des Ohres verläuft eine Vene, aus der man mit etwas Übung sehr einfach die benötigte Blutmenge bekommt.

Fazit: Aus der Ohrrandvene der Katze bekommt man sehr leicht Blut, um den Blutzucker der Katze zu messen.

Unsere Erfahrung: Um sicher zu gehen, dass wir alles richtig machen, haben wir ein Testgerät gekauft und einen Termin in der Tierklinik vereinbart. Dort sollte man uns zeigen, wie man den Blutzucker richtig misst. Die Empfehlung: Im Innenohr eine sichtbare Ader suchen, dort beherzt mit der Lanzette zustechen, mit den Fingern quetschen und den Teststreifen reinhalten. Zuhause angekommen hat diese Vorgehensweise überhaupt nicht funktioniert und unseren kleinen Patienten sehr gestresst. Mit Hilfe des Internets haben wir uns dann selber beigebracht, wie man richtig Blutzucker misst.

6. Ketone

Gerade anfangs, wenn die Katze noch nicht optimal eingestellt ist, sollten zusätzlich zum Blutzucker Ketone gemessen werden. Wenn die Zellen nicht mehr ausreichend mit Glukose versorgt werden können, greift der Körper auf Fettreserven zurück, die verbrannt werden, um Energie zu gewinnen. Hierbei entstehen sogenannte Ketone, die dem Fett als Transportverpackung dienen. Ketone haben aber den Nachteil, dass sie das Blut ansäuern und den pH-Wert verändern. Das bringt den ganzen Stoffwechsel durcheinander. Hat man hier kein Auge drauf, kann es schnell zu einer Ketoazidose kommen, die in den meisten Fällen tödlich endet. Die meisten Tierärzte halten es leider für unnötig die Ketonwerte zu überwachen und informieren entsprechend nicht.

Fazit: Messen Sie regelmäßig die Ketonwerte Ihrer Katze!

Unsere Erfahrung: Wir haben sofort nach der Diagnose angefangen, so viele Informationen wie möglich zu lesen. Daher haben wir auch schnell von Ketonen gehört. Auf Nachfrage in der Klinik hieß es allerdings, es wäre nicht notwendig die Ketone zu messen. Dies wäre nur bei schlecht eingestellten Katzen erforderlich. Man beachte: Unser Kater war zu diesem Zeitpunkt ganz am Anfang – von gut eingestellt konnte also keine Rede sein. Werte ab 1,5 mmol/l gelten als stark erhöht.2 Als wir das erste Mal Ketone gemessen haben, lagen Moglis Werte bei über 7! Wir haben unendliches Glück gehabt und sind sehr dankbar, dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits in kompetenten Händen waren!

7. Insulin

Häufig verordnen Tierärzte Diabetes-Katzen Caninsulin. Dieses Insulin wurde allerdings für Hunde konzipiert, die über einen anderen Verdauungsapparat verfügen und zudem ein anderes Fressverhalten an den Tag legen. Während Hunde meist zweimal am Tag fressen, fressen Katzen in der Regel deutlich häufiger. Caninsulin ist ein Kurzzeitinsulin, es wirkt sofort und hat nach vier bis sechs Stunden den höchsten Wirkungsgrad erreicht. Danach lässt die Wirkung schnell nach. In diesem Fall muss das Futter auf zwei Mahlzeiten aufgeteilt werden. Für die meisten Katzen entsprechend ungeeignet. Es gibt Langzeitinsuline aus der Humanmedizin, die besser geeignet sind, zum Beispiel Lantus.

Fazit: Wenn Ihr Tierarzt Ihrer Katze Caninsulin verordnet, fragen Sie nach, ob ein Langzeitinsulin nicht sinnvoller ist.

Unsere Erfahrung: Hier hatten wir Glück! Unser Kater Mogli erhält von Anfang an das Langzeitinsulin Lantus.

… und jetzt?

Die Diagnose Katzendiabetes verlangt sehr viel Eigenverantwortung vom Tierhalter. Wir hatten anfangs das Gefühl, komplett verloren zu sein und niemandem mehr glauben können. Das Internet macht es einem heute leicht, sich zu informieren. Das ist zugleich ein Segen und ein Fluch. Denn man muss das Informationsangebot gründlich selektieren. Jeder kann im Internet publizieren und längst nicht alles, was geschrieben wird, stimmt. Was das Internet aber kann: Es gibt Ihnen als Tierhalter die Möglichkeit, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen und gezielt Fragen zu stellen. Wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, recherchieren Sie und hinterfragen Sie! Wenn Sie einen guten Tierarzt haben, wird er sich freuen, dass Sie sich für Ihr Tier einsetzen und Ihnen Antworten geben. Bei Katzen ist es nicht selten, dass sie in Remission gehen, das heißt symptom- und insulinfrei leben können. Hierauf hat die Katze aber nur eine Chance, wenn sie richtig behandelt wird.

Machen Sie sich schlau!

  • Unserer Meinung nach die beste Seite zum Thema Katzendiabetes: http://katzendiabetes.info. Die Seite wird von zwei Tierärzten betrieben, die sich auf das Fachgebiet Katzendiabetes spezialisiert haben.
  • Offline: Leider gibt es nicht viel Literatur zum Thema. Uns hat das Buch „Hilfe, meine Katze hat Diabetes!“ von Inge Pflüger anfangs sehr geholfen. Es ist von einer Tierhalterin geschrieben und wurde von einer Tierärztin medizinisch überprüft.
  • Foren und Facebook-Gruppen: Es gibt einige Diabetes-Foren und auch Facebook-Gruppen. Hier findet man nicht nur Informationen, sondern auch Hilfe bei der Insulineinstellung. Achtung: Es gibt hier sehr kompetente Mitglieder. Es gibt aber auch welche, die weniger kompetent sind. Wir haben uns gegen eine Anmeldung in einem Forum entschieden. Aber wir sind Mitglied in den Facebook-Gruppen Katzendiabetes und Katzen mit Diabetes. Wir sind eher passiv und lesen hauptsächlich mit – das möchten wir aber nicht missen:
    https://www.facebook.com/groups/Katzendiabetes/
    https://www.facebook.com/groups/Katzen.mit.Diabetes/

Wichtiger Hinweis: Die Gesundheitsinformationen auf http://revvet.de sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt. Sie dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Die veröffentlichten Inhalte stellen weder eine Beratung dar, noch eine Kauf- oder Anwendungsempfehlung von Medikamenten oder anderen Gesundheitsprodukten. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Problemen Ihres Tieres immer an Ihren Tierarzt!

Quellen:
http://flexikon.doccheck.com/de/Stresshormon, Abruf 10.01.16
http://katzendiabetes.info/hometest.php, Abruf 22.03.16
1http://katzendiabetes.info/futter.php, Abruf 22.03.16
2http://katzendiabetes.info/keto.php, Abruf 22.03.16
Inge Pflüger: Hilfe, meine Katze hat Diabetes. Kema-Verlag. 2011

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